25 Jul 2010

Vom Berghaus Diavolezza über Pers- und Morteratsch-Gletscher

Verfasst von Rainer Frank

Nachdem wir gestern schon die wunderschöne Engadinger Landschaft bei der Wanderung zur Segantini Hütte genießen konnten, und eine Nacht auf dem Berghaus Diavolezza verbringen durften, geht es heute wieder ins Tal nach St. Moritz.
Zuerstmal lernen wir aber Berni kennen, seineszeichens Bergführer, der den Pers- und Morteratsch-Gletscher wie seine Westentasche kennt und uns heute sicher darüber leiten wird.

Direkt am Berghaus beginnt der Abstieg über die Seitenmoräne des Persgletschers. Es gleicht ein bisschen einer Rutschpartie, aber lässt sich mit guten Schuhen und Stecken (um dich ich sehr dankbar war) trotzdem gut machen. Berni erklärt uns, dass sich auf den Seitenmoränen kein vernünftiger Weg bauen lässt, da sie unter dem Geröll aus Eis besteht und ein Weg beim nächsten Regen davongespült werden würde. Wie noch häufiger am heutigen Tag denk ich mir: again what learned ;)

Ich hatte eigentlich Steigeisen oder midnestens Grödeln für erforderlich gehalten, aber der Gletscher ist durch die Sonneneinstrahlung – wir haben wie schon am Tag zuvor kaiserliches Wetter – stark aufgeraut und richtig griffig. Außerdem liegt viel Geröll und “Split” auf dem Eis, sodass es sich wie auf einer sehr gut vom Winterdienst bearbeiteten Straße geht.

Die Landschaft hier ist absolut beeindruckend. Der von Spalten und Löchern zerklüftete Gletscher, eingerahmt von Pitz Palu und …gruppe. Ich weiß hier gar nicht wo ich zuerst hinsehen soll.
Wir queren den Persgletscher und steigen auf der dem Berghaus Diavolezza gegenüberliegenden Seite wieder hinauf, auf die so genannte Isal Persa. Die Insel im Persgletscher, die so heißt, weil sie aus dem Eis rausragt, auch schon bevor der krasse Gletscherrückgang der letzten Jahrzehnte eingesetzt hat. Hier haben wir uns eine kleine Mittagspause verdient, bevor wir wieder weiter absteigen um schließlich auf den Morteratschgletscher zu kommen. Perser Gletscher und Morteratschgletscher fließen ineinander und enden dann in einer gemeinsamen Gletscherzunge.

Je steiler das Gelände ist, über das ein Gletscher fließt, desto größer sind die Spalten, die sich an dieser Stelle bilden. Wir müssen hier ein ganzes Stück umgehen, weil die Spalten hier einfach überhand nehmen. Diese zerklüftete Eis-Landschaft aber dann von weiter unten anzusehen ist wirklich sehenswert.

Am meisten beeindruckt mich, wie schnell sich diese Landschaft verändert. Binnen Wochen können ganze Fels- und Eisformationen völlig anders aussehen. Geschmolzen oder weggebrochen. Das Gletschertor (letztes Foto), gibts noch nicht wirklich lange. Und ob es heute – zwei Wochen später – noch genau so aussieht ist mehr als fraglich, denn der Bereich ist einsturzgefährdet. Begehen also nicht wirklich sinnsoll und nur mit Bergführer anzuraten.

Von der Gletscherzunge, die wir kurz vor 14 Uhr erreichen, geht es auf einem völlig unschwierigem Pfad zum Talort Morteratsch und nach einer kleinen Stärkung mit dem Zug zurück nach St. Moritz.

Wer nach einer Nacht im Berghaus und einer mitunter doch auch anstrengenden Tour ein bisschen Luxus haben will, bezieht in einem der zahlreichen wirklich guten Hotels in dieser Gegend sein Quartier. Beispielsweise im Hotel Kulm; der Wellnessbereich – und auch alles andere – ist wirklich empfehlenswert.

Fazit: genial! :-)

Weiter Bilder gibt es auf dem Tourenberichte-Flickr-Account

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