24 Sep 2009
Wieder ein Traumtag im Karwendel; auf die Lamsenspitze (2.508m)
Alle guten Dinge sind vier (und wahrscheinlich noch viel mehr) und so gehts am Mittwoch, den 23.09.2009 auf ein Neues ab ins Karwendel. Weil sich das Ziel, die Lamsenspitze, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in einer Tagestour fast nicht darstellen lässt, entscheide ich mich heute für ein Statt-Auto.
Der Wetterbericht ist gut, aber die Sonne scheint trotzdem nicht, was an der Uhrzeit liegen kann. Abfahrt in München-Josephsburg um 04:45 Uhr. Ich will früh zurück sein, also muss ich früh hin. Und das mit der Sonne hat sich im Tagesverlauf dann doch noch positiv entwickelt.
Über den Achenpass nach Pertisau und von dort auf einer Mautraße zur Gramaialm. Dass die Straße eigentlich 4,50 Euro pro PKW kostet, interessiert um 06:10 noch niemanden. Dass sich die Einnahmen trotz solch Mautpreller wie mir durchaus sehen lassen können, wird beim Abstieg klar: Busweise werden Horden von Rentnern, touristen und wahrscheinlich auch touristischen Rentnern zur Alm gekarrt. Bergidylle Fehlanzeige, zumindest am frühen Nachmittag. Morgens ists hier traumhaft!
Um 06:30 Uhr sind die Schuhe geschnürt und im Morgengrauen gehts von der Alm aus auf einem gut markierten Pfad erst recht sanft, später steiler, Richtung Lamsenjochhütte, die ich gegen 08:00 Uhr erreiche. Jetzt erstmal ein Frühstück. Das Müslifrühstück wird mir von Übernachtungsgästen, die sich schon auf zur Spitze machen, empfohlen: mit Kaffee für 5,50 Euro zu haben: und sehr (!) empfehlenswert. Im Gegensatz zu vielen anderen Hütten (z.B. Knorrhütte), wird auf der Lamsenjochhütte tatsächlich Kaffee gekocht, der diese Bezeichnung auch verdient hat. Sehr lecker. Der Catbird Seat-Kaffee ist seit gestern nur noch zweite Wahl!
Das Müsli war aber DER Bringer: ein nicht ganz identifizierbarer Batz aus Obst und irgendwelchem Getreide, der in dieser Form aussah wie mehrfach gegessen, ein paar mal davon rückwärts. Also Augen zu und durch: mit geschlossenen Augen schmeckte es aber VERDAMMT lecker. Ich kanns nur empfehlen und freue mich schon auf mein nächstes Müsli auf der Lamsenjochhütte.
Frisch gestärkt geht es von der Hütte einen Pfad erst ein wenig bergab und dann links hinauf Richtung Brudertunnel (nicht der Beschilderung zur Lamsenspitze folgend). Jetzt wird es spannender. Der Weg wird steiler und nach wenigen Minuten ziehe ich Helm und Klettergurt an. Steinschlag ist hier definitiv nicht ausgeschlossen, insbesondere nicht, wenn man Leute vor sich hat, und das ist offenbar bei gutem Wetter immer der Fall
Der Klettersteig ist sehr gut abgesichert, aber auch nicht ganz einfach. Also durchaus fordernd. Meine Klimmzugtaktik erweist sich hier als dummer Fehler. Der Muskelkater in den Armen ist vorprogrammiert und spätestens im Tunnel, in dem es teilweise nicht mehr senkrecht, sondern überhängend nach oben geht, wird klar, dass ich meine Taktik ändern und mehr aus den Beinen arbeiten muss, wie ichs beim Klettern mal gelernt habe
Der erste Teil des Klettersteiges ist in ca. 30 Minuten durchstiegen und es geht auf einem gut erkennbaren Pfad nach rechts weiter durch ein Kar auf der Südseite der Lamsenspitze. (nach links würde es übrigens zum Hochnissl gehen, den ich wohl unter Alpine Zeile einfügen werde, weil er auch recht spannend aussieht. Und wegen dem Müsli auf der Hütte!
)
Der Pfad durch das Kar führt mich zum Einstieg des zweiten Klettersteigteils. Seilversicherter Weg würde es auch treffen. Die Anforderungen sind wesentlich geringer als durch den Brudertunnel, und die Steinschlaggefahr ist leichter berechenbar: 100%. Permanent kommen irgendwo kleinere und ab und zu auch größere Steine runter.
Es gibt erstaunlich viele, die sich diesen Weg ohne Helm antun. Gott sei dank auch ein paar Kluge Bergsteiger, die sich ohne Helm lieber zum Umkehren entscheiden. Ich war ja glücklicherweise gut ausgerüstet und kam deshalb gegen 11:00 Uhr ohne nennenswerte Blessuren auf der Lamsenspitze auf 2.508 Metern an.
Nach einer Stunde in der Sonne auf dem Gipfel gehts auf dem Anstiegsweg wieder zum Lamsenjoch. Nun nicht zurück durch den Brudertunnel, sondern links hinunter durch die Lamsenscharte. Zunächst auf einem seilversicherten Steig hinab (teilweise mit ziemlich viel Luft unter den Füßen, aber trotzdem nicht schwierig) und dann in Sieben-Meilen-Schritten durch das Schuttkar zurück zur Lamsenjochhütte, die man auf diese Weise in recht kurzer Zeit erreicht. Von hier ab wieder auf dem Anstiegsweg runter zur Gramaialm. Mit allen wohlverdienten Pausen bin ich insgesamt 7 Stunden unterwegs.
Alles in allem eine nicht ganz einfache Tour, die Schwindelfreiheit, Trittsicherheit sowie ein bisschen Kletterfertigkeit (oder genügend Armkraft) sowie eine vollständige Klettersteigausrüstung inklsuive Helm erforderlich macht. Für diejenigen, die diese Grundvoraussetzungen mitbringen, kann ich die Tour sehr empfehlen!
p.s.: blöder weise hab ich meine Kamera vergessen. Deswegen gibts statt einem Foto einen Google-Earth Screenshot, mit dem Aufstiegsweg. Der Pfad ist allerdings manuell eingefügt und hat sicherlich keine GPS-Genauigkeit

