28 Aug 2009
Auf die Zugspitze (2962 m)
Skistadion GAP – Partnachklamm – Bockhütte – Reintal und Reintalangerhütte – Knorrhütte – Sonnalpin und Schneeferner Haus – Zugspitze (zwei Tage)
Nur wo Du zu Fuß warst, warst du wirklich…
…und ich darf seit heute von mir behaupten, wirklich auf der Zugspitze gewesen zu sein. Aber der Reihe nach:
Donnerstag, 27.08.2009: um 07:40 gehe ich am Skistadion in Partenkirchen vorbei und mache mich auf den Weg zur Partnachklamm, die man auf einer Teerstraße in zwanzig Minuten erreicht. Die Partnachklamm hat Öffnungszeiten, weswegen ich natürlich davon ausgegangen bin, dass sie außerhalb dieser Zeiten geschlossen ist. Das Hinweisschild “Begehen der Klamm außerhalb der Öffnungszeiten auf eigene Gefahr” lässt aber wohl darauf schließen, dass die Klamm durchaus geöffnet ist, aber halt nichts kostet. Ich war punkt 8 Uhr am Eingang der Klamm (geöffnet ab 8 uhr, also jetzt nicht mehr kostenlos). Mein Argument, dass ich DAV-Mitglied bin und eine Garmischer Kurkarte habe, deswegen eigentlich etwas rausbekommen müsste, haben den Kassenwärter aber überzeugt nicht interessiert. Ich durfte durch, ohne zu zahlen, weil wohl der Kassen-Computer noch nicht hochgefahren war. Wahrscheinlich hab ich das dann auch auf eigene Gefahr gemacht. Naja, egal.
Die Klamm kenne ich nun wirklich schon; sehr schön, aber halt doch nichts Neues. Deswegen diesmal kein Foto (es war auch nass und kalt und irgendwie “klamm” <ach was?> ), sondern einfach schnell durch. Man braucht auf diese Weise knapp 10 Minuten zum Klammausgang.
Ab jetzt geht es immer schön an der wildromantischen Partnach entlang auf einer fast langweiligen Forststraße. Wie ich schon von der Schachentour vor drei fast vier Jahren weiß, gewinnt man auf dieser Strecke nur sehr langsam an Höhe. Der Weg führt größtenteils durch Wald, aber auch die stelen Felswände links und rechts machen einen Sonnenschutz bis mindestens 11 Uhr überflüssig. Ich folge immer schön der Beschilderung “Reintal, Zugspitze”, auch wenn ich nicht vor habe das letzte Ziel heute noch zu erreichen.
Langsam aber sicher gewinne ich auf dem nach der Abzweigung zum Schachen folgenden Steig an Höhe und wandere weiter Richtung Reintal. Urplötzlich eröffnet sich ein traumhafter Blick über selbiges. Hier aber von der anderen Seite fotografiert:
Gegen 11:30 Uhr bin ich an der Reintalangerhütte, die nicht nur auf der Terasse, sondern auch auf den im Umkreis aufgestellten Bierbänken und Sonnenstühlen zum Verweilen einlädt. Ich gönne mir eine Apfelschorle und ein paar Wiener mit Brot. Von dem mehrsprachigen Koch bin ich beeindruckt: an der Tür steht ein Schild, welche Sprachen in der Hütte gesprochen werden. Alle bekomme ich nicht mehr hin, aber sicherlich dabei waren: Hindu, Chinesisch, Japanisch, Baden-Württembergerisch und “mit Händen und Füßen”. Es waren aber noch ettliche mehr.
Um 12 uhr mache ich mich wieder auf den Weg zu meinem heutigen Tagesziel, der Knorrhütte. Nach dem Reintal wird der Weg etwas anspruchsvoller und bekommt einen alpineren Charakter. Trotzdem lässt sich der Steig hoch zur Knorrhütte in zwei Stunden problemlos bewältigen. Selbst mit Gepäck, von dem ich wie immer zu viel dabei hatte. Wir halten fest: es ist 14 Uhr; ich habe mein Tagesziel auf 2.052 Metern erreicht. Was mach ich denn jetzt den ganzen Nachmittag? Doch noch weiter zur Zugspitze? Naja, das sind ja doch noch ca. 1.000 Höhenmeter. Lieber nicht. Aber auf der Hütte wird es nicht langweilig, denn allein die Aussicht fasziniert mich für Stunden.
Außerdem musste ich noch ein kleines Missverständnis mit dem Wirt klären: ich hatte mein Lager am Dienstag reserviert. Ein ganz schlaues Reservierungssystem im Internet zeigt an, ob noch Plätze verfügbar sind. Ein wenig intelligentes System zeigt an, ob der Hüttenwirt die Ampel von grün auf rot gestellt hat, oder es eben verpennt hat. Da mir meine Reservierungsbestätigung per Mail erst am Donnerstag gegen 8 Uhr zugestellt wurde (man erinnere sich: da war ich am Eingang der Partnachklamm), hatte ich also keine. Und damit hatte ich also auch nicht reserviert. Wiedersehen um 20 Uhr zur “Restschlafplatzvergabe. Und wenn nicht genug Schlafplätze da sind, müssen welche im Gastraum schlafen”. Naja, es gibt schlimmeres dachte ich und stelle fest, dass die Knorrhütte mit D1-Handynetz abgedeckt ist. Mails gechecked. Wirt die Mail vorgelesen. “Ja dann passt doch eh alles, wenn ich das geschrieben habe”. Der Typ wirkt etwas “knorrig”, aber das muss er wohl sein, als Hüttenwirt der Knorrhütte.
Im Laufe des späteren Nachmittags und Abends wird es zunehmend wolkiger und nebliger.
Zeitweise ist die Hand vor Augen durch den Nebel nicht zu sehen. Und urplötzlich macht sich ein traumhafter Sternenhimmel über der Hütte auf.
Ich hasse Hüttenschlafsäcke. Außerdem hatte ich mindestens ein Weißbier weniger als der, der am meisten und am lautesten geschnarcht hat. Deswegen war nicht viel an Schlaf zu denken. Um 6 Uhr krieche ich aus dem Lager und genieße die morgendliche Stimmung vor der Hütte. Das Bild entstand um 06:40 Uhr:
Nach einem Frühstück mache ich mich um 07:40 Uhr auf zur Zugspitze: direkt neben der Hütte beginnt ein recht steiler, aber auch nicht sehr schwieriger Steig, durch den man schnell an Höhe gewinnt. Immer mehr bekommt man Einblicke in das “weiße Tal”, dessen umliegende Felsen und Berge mich beeindrucken. Beeindruckend war jedoch auch die Geschwindigkeit, in der hier plötzlich Wolken herbei ziehen. Dunkle Wolken. Die waren aber gott sei Dank auch recht schnell wieder weg und haben sich in helle Wolken verwandelt.
Man sieht das alte Schneefernerhaus und recht klägliche Überreste des Schneeferner Gletschers. Ich mache keine Fotos mehr. Das Wetter ist ab mittags schlecht angesagt für den Zugspitzgipfel, und ich will ja noch ein bisschen was sehen. Also ohne Pause schnell weiter, auf einem problemlosen Steig, der aber nicht wirklich gut markiert ist.
Je näher man dem Zugspitzgipfel kommt, desto klarer wird einem, wie krass dieser Berg erschlossen ist. Skilifte wohin man schaut, Bagger die irgendwas neues bauen, das permanente Geräusch der Gletscherbahn, die zwischen den Bergstationen der Zahnradbahn und der Eibseebahn hin und her pendelt. Ich steige am Schneefernerhaus vorbei auf einem Geröllfeld steil hinauf in Richtung Zugspitze. Dieses Geröllfeld, für das ich wohl so ca. 15 Minuten gebraucht habe, ist jetzt die erste “anspruchsvollere” Stelle auf dieser Tour (die Länge mal nicht berücksichtigt). Und vor allem ist es sehr steil und richtig anstrengend! Kaum ist man zwei Schritte rauf, rutscht man einen wieder runter. Die Höhe von nun knapp 2.700 Metern und eine entsprechend dünne und auch kalte Luft, tun ihr übriges. Aber die Aussicht auf den Zugspitzgipfel motivieren dann doch, schnell weiter zu steigen.
Nach dem Geröllfeld geht es in einen mit Drahtseilen bestens abgesicherten Steig, auf dem die letzten ca. 200 Höhenmeter zum Münchner Haus überwunden werden. Ab und zu ist hier ein bisschen Schwindelfreiheit gefragt. Insbesondere auf dem Grat, der eine herrliche Aussicht auf den Eibsee zur einen und den Schneerfernser-Gletscher zur anderen Seite bietet, ist es doch recht “luftig”, aber schön!
Die letzten Stufen zum Münchner Haus bestehen aus einer Eisentreppe, die einen mitten in den Souvenirladen führt. Kulturschock pur. Nix mehr Bergromantik. Von einer Sekunde auf die andere ist man viel weiter in die Zivilisation zurückkatapultiert worden, als man es jemals haben wollte. “Did you walk the whole way?” fragt mich ein Ami mit Turnschuhen und kurzen Hosen. Und das obwohl ich ja noch gar nicht oben bin, sondern erst am Münchner Haus, unterhalb des Gipfels.
Vorbei an den Turnschuhtouristen geht es am anderen Ende wieder auf einen kleinen Steig, eine Leiter hoch, auf den eigentlichen Gipfel der Zugspitze, zweitausendneunhundertzweiundsechzig Meter über dem Meer. Es ist 10:20 Uhr, also gut 2,5 Stunden nach Abgang an der Knorrhütte. Leider recht neblig und keine wirklich sehr gute Sicht, aber hin und wieder kommt doch noch ein kleiner Sonnenstrahl durch.
Nicht nur wegen dem schlechter werdenden Wetter investiere ich 26,50 Euro in die gelenkschonende Abfahrt mit der Seilbahn zum Eibsee und der Zahnradbahn zurück zum Bahnhof Garmisch-Partenkirchen. Auf dem Weg zu Fuß zurück zum Skistadion spiele ich mit dem Gedanken, einfach wieder weiter zu gehen, wieder durch die Partnachklamm, durchs Reintal, auf die Zugspitze. Den Gedanken verwerfe ich. Aber ich komme wieder: vielleicht nächstes Jahr durch das Höllental auf die Zugspitze.
Empfehlenswerte Karte: Kompass Wanderkarte Nr. 5, Wettersteingebirge, Zugspitzgebiet1:50000



Hallo Rainer,
na das war ja wirklich eine beeindruckende Tour und ein interessanter Bericht.
Evelyn Frank
August 28th, 2009 at 8:38 pmpermalink
Hallo Rainer! Liest sich sehr schön und ist wirklich unterhaltsam. Durch Deinen Bericht kann ich die Zeiten abschätzen, die man ab der Partnachklamm bis auf den Gipfel braucht. Ich kam gestern (05.10.09) von der Zugspitze zurück. Ich war nun schon zum 4.mal über das Höllental zur Zugspitze aufgestiegen. Ausgangspunkt war immer die Höllentalangerhütte – ausser gestern. Diese hatte zwei Tag zuvor geschlossen. Das hatten wir am Tage der Ankunft schmerzlich erfahren. Also Übernachtung im Hotel, und Aufstieg vom Tal aus auf den Gipfel. Ich habe Klettersteige in den Karawanken, auf dem Dachstein und dem Wetterstein gemacht, aber diese Tour hat uns alles abverlangt. Bisher waren es 6 Stunden von der Angerhütte aus gewesen und kein Problem für uns. Doch die zwei Stunden zuzüglich vom Tal hatten es doch in sich. Zudem der Höllentalgletscher mit seiner Steigung und den langen und tiefen Spalten die es zu umwandern galt (bitte niemals ohne Spikes oder Steigeisen begehen) sowie der Einstieg in den eigentlichen Klettersteig ist nicht zu unterschätzen. Mit dem schweren Rücksack auf dem Rücken an einem provisorisch angebrachten Bergsteigerseil die glatte Wand hochzuhangeln bis das erste Stahlseil erreicht war, hat sehr viel Kraft gekostet. Nicht desto Trotz es war eine tolle Tour, wir sind mit der Seilbahn (einfache Fahrt 23Euro) noch Ehrwald geschwebt, und haben uns danach auf unsere 5Stündige Rückreise mit dem PKW gemacht.
Also….. Du weißt was Dich erwartet wenn Du durch das Höllental Aufsteigst ;o) Viel Spass und Gruß
Ralf
October 6th, 2009 at 12:47 pmpermalink
Hallo Ralf,
vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich freu mich schon auf das nächste Jahr, wenns durch das Höllental auf die Zugspitze geht.
Viele Grüße,
Rainer.
p.s.: ich hab Deinen Kommentar auf http://www.tourenberichte.com umgezogen, da ich auf dieser Seite weiter blogge.
Rainer Frank
October 6th, 2009 at 12:50 pmpermalink
[...] den Weg Richtung Schachen und Meilerhütte weiter. Den gleichen Weg bin ich letztes Jahr bei der Tour zur Zugspitze gegangen, nur dass ich heute nicht rechts ins Reintal abbiege, sondern gerade aus weiter gehe [...]
» Sommerbergtour zur Meilerhütte (2.366 m) » Tourenberichte.com – Der Berg- und Freizeit-Blog
June 28th, 2010 at 9:49 pmpermalink
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